
Rund 140 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 7 der Goetheschule erlebten kurz vor den Sommerferien einen besonderen Vormittag. Zu Gast war Claudia Berger, Gründerin des Präventionsprojekts „Sheriff4Kids“, die mit einem knapp 90-minütigen Vortrag eindrucksvoll über Drogen, Gewalt, Mobbing und persönliche Verantwortung sprach.
Sie machte deutlich, worum es ihr an diesem Tag ging: „Ich bin heute hier, weil ich will, dass ihr überlegt, wie ihr leben wollt.“ Immer wieder richtete sie Fragen an die Jugendlichen: „In welcher Welt wollt ihr leben?“, „Was für ein Mensch wollt ihr sein?“ und „Es ist euer Planet. Eure Zukunft!“
Dabei sprach Claudia Berger nicht aus Büchern oder Theorien, sondern aus eigener Erfahrung. Offen und ohne Zensur berichtete sie von ihrer schwierigen Vergangenheit, von Gewalt, Drogen und den Folgen ihrer Entscheidungen. Mehrfach betonte sie dabei, dass es keineswegs selbstverständlich sei, heute vor den Schülerinnen und Schülern stehen zu können. „Dass ich heute hier sein kann, ist Glück“, sagte sie. „Ich hätte eigentlich nicht überleben können.“
Gerade diese Offenheit machte den Vortrag so eindrucksvoll. Berger sprach ehrlich über Fehler und Konsequenzen, ohne sich dabei hinter Ausreden zu verstecken. „Ich schäme mich für nichts“, erklärte sie den Jugendlichen. „Aber ich bedaure, was passiert ist.“ Mit ihrer Lebensgeschichte machte sie deutlich, dass jeder Mensch Entscheidungen treffen kann, die sein Leben nachhaltig beeinflussen, im Positiven wie im Negativen.
Heute hat Claudia Berger ihr Schicksal zu ihrer Aufgabe gemacht. Als Gründerin von „Sheriff4Kids“ ist sie bundesweit an Schulen, Vereinen und Bildungseinrichtungen unterwegs. Die gebürtige Darmstädterin arbeitet als Präventionsreferentin, Gewaltpräventions- und Suchtpräventionscoach sowie als Mediatorin für Gewaltfreie Kommunikation. Mit ihren Vorträgen erreicht sie jedes Jahr zahlreiche Kinder und Jugendliche und setzt sich dafür ein, junge Menschen zu stärken und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.
Während des gesamten Vortrags bezog sie die Schülerinnen und Schüler aktiv ein. Sie griff ihre Erfahrungen auf, stellte Fragen und knüpfte an ihre Lebenswelt an. Dadurch entstand kein klassischer Frontalvortrag, sondern ein lebendiger Austausch, der die Jugendlichen dort abholte, wo sie stehen und was sie bereits wissen.
„Eine starke Person schützt die Schwachen“, erklärte sie und machte deutlich, dass Stärke nichts mit Gewalt oder Einschüchterung zu tun hat. Auch beim Thema Mobbing fand sie deutliche Worte: „Mobbing ist eine Straftat.“ Gleichzeitig ermutigte sie die Jugendlichen, Hilfe anzunehmen und sich Unterstützung zu suchen. „Redet mit euren Lehrern, redet mit euren Eltern“, lautete ihr Rat. „Wer sich Hilfe holt, ist stark.“
„Jeder Mensch hat das Recht, Nein zu sagen“, betonte Berger. Selbstbestimmung und Selbstwert seien ebenso wichtig, wie andere Menschen zu respektieren und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Obwohl Claudia Berger ohne Mikrofon sprach, herrschte während der gesamten Veranstaltung eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit. Die Schülerinnen und Schüler hörten konzentriert zu, beteiligten sich engagiert und verfolgten ihre Ausführungen mit großem Interesse.
Zum Abschluss nahm sich Berger Zeit für eine ausführliche Fragerunde. Es kamen neugierige, ehrliche und teilweise sehr persönliche Fragen, die sie offen beantwortete.
Als Claudia Berger ihre zentrale Botschaft zusammenfasste, spendete die Schülerschaft langanhaltenden und tosenden Applaus.
Wie bereits in den vergangenen Jahren zeigte sich: Die Begegnungen mit Claudia Berger wirken weit über den eigentlichen Veranstaltungstag hinaus nach. Ihre wichtigste Botschaft blieb dabei unmissverständlich: Drogen sind keine Lösung.

